Ist es eine Aufforderung zum Spiel oder nicht?
- Berit Kaspar

- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit

Wann zeigen Hunde die Vorderkörpertiefhaltung?
Hier ein paar Beispiele:
um ein Spiel mit einem Hundefreund einzuleiten (1)
während des Spiels mit dem Hundefreund (1)
wenn der Hund mit dir spielen möchte (1)
bei Ansicht von einem anderen, unbekannten Hund (danach wird das Hinterteil auch abgelegt) (1),(2),(3)
bei dem Zusammentreffen mit einem unbekannten, älteren oder größeren Hund (2)
wenn ein anderer Hund (still) droht oder bellt (2)
wenn du den Hund greifen willst (2)
wenn du das Geschirr anziehen oder die Leine befestigen möchtest (2)
wenn dein Hund ins Haus kommen soll (2)
wenn du schimpfst, weil der Hund in den Beeten umherspringt (2)
wenn du mit dem Hund etwas übst und er versteht nicht, was du meinst (2)
wenn dein Hund etwas Spezielles (Spielzeug, Kauknochen…) haben möchte (2)
wenn Oma den Hund streicheln möchte (2)
wenn das noch unsicher laufende Kind auf den Hund zusteuert (2)
um mit fremden Menschen Kontakt aufzunehmen (2)
wenn ein jagdlich ambitionierter Hund einen kleinen Hund über die Wiese flitzen sieht (3)
nach dem Ruhen oder Schlafen als Komfortverhalten
wenn der Hund Bauchschmerzen hat
und in vielen anderen Situationen
Allein diese Aufzählung lässt vermuten, dass es sich nicht immer um dasselbe körpersprachliche Signal handeln kann und dass vor allem nicht immer dasselbe damit gemeint ist.

Spielaufforderung = Playbow
Schauen wir uns das Signal an, welches unter Hundebesitzern als SPIELAUFFORDERUNG (PLAYBOW) bekannt ist und auch so gemeint ist.
K-K-S
KOPF
in Richtung des anderen Hundes, tief zum Boden gehalten oder etwas abgewandt
weicher Blick zum anderen Hund oder wegschauen, oft ist das Weiße im Auge zu sehen
Stirnhaut entspannt
Ohren entspannt, aber auch nach hinten gedreht
Maul entspannt, leicht geöffnet
Maulspalte nach hinten geöffnet
KÖRPER
Körperschwerpunkt nach vorn/unten
Vorderkörper liegt mit der Brust auf dem Boden
Vorderbeine weit auseinander, Ellenbogen liegen auf dem Boden, Pfoten zeigen nach außen
die Vorderbeine bilden ein „V“
weiche, gebogene Rückenlinie
Hinterbeine leicht eingeknickt
Po in die Höhe gestreckt
der Hund sieht kurvig und weich in dieser Haltung aus
SCHWANZ
setzt unter der Rückenlinie an, wird über der Rückenlinie locker getragen
eingerollt, oft stark wedelnd
In welchen Situationen wird die Spielaufforderung (Playbow) gezeigt?
Spieleinleitung und alles, hinter dem du die (1) findest
Spielpause für z.B. Rollenwechsel
Spielunterbrechung bei zu wildem Spiel
Ankündigung (inkl. Spielgesicht): Alles, was folgt, ist Spiel.“

Vorderkörpertiefhaltung als Strategie, einen Konflikt zu entschärfen oder zu verhindern
Der Hund fühlt sich in einer Situation unsicher, eventuell bedroht und wählt die soziale Interaktion, also das „Fiddle about“ bzw. „Flirt“ als Strategie aus den 4 F.
Das Verhalten sieht nach Herumalbern aus, aber so richtig wohl fühlt der Hund sich nicht.
K-K-S
KOPF
in Richtung des anderen Hundes, nicht ganz so tief zum Boden gehalten, etwas abgewandt
Blickkontakt wird oft vermieden,
Kopf etwas abwenden + wegschauen, oft ist das Weiße im Auge zu sehen
Stirnhautnach hinten gezogen
Ohren nach hinten gedreht
Maul entspannt, leicht geöffnet, angelegt
Fang geschlossen
KÖRPER
Körperschwerpunkt nach vorn/unten
Vorderkörper nicht ganz auf auf dem Boden
Vorderbeine weit auseinander, Ellenbogen liegen nicht dem Boden, Pfoten zeigen nach außen
die Vorderbeine bilden ein „V“
weiche, gebogene Rückenlinie
Hinterbeine leicht eingeknickt, zum Wegspringen bereit
Po in die Höhe gestreckt
der Hund sieht kurvig und weich in dieser Haltung aus
SCHWANZ
setzt unter der Rückenlinie an, wird über der Rückenlinie locker getragen
eingerollt, vorsichtig wedelnd
Situationen
alles, hinter dem du die (2) findest
Versuch, ein Spiel zu initiieren, obwohl die Situation etwas angespannt ist
der Hund fühlt sich nicht wohl, fühlt sich bedroht, möchte den Konflikt freundlich entschärfen

Vorderkörpertiefhaltung als "PREYBOW"
Diese Form der gebogenen Körperhaltung hat nichts mit SPIEL zu tun, sondern leitet einen Angriff ein.
Das Opfer ist die Beute (PREY), auf die es der Hund mit Vorderkörpertiefhaltung abgesehen hat.
K-K-S
KOPF
in Richtung des anderen Hundes, direkt auf den anderen Hund bzw. die Beute gerichtet
fokussierter, konzentrierter Blick zum anderen Hund
Ohren nach vorn gerichtet
Maul angespannt, geschlossen
KÖRPER
Körperschwerpunkt nach vorn/unten
Körperachse gerade auf das Gegenüber ausgerichtet
Vorderkörper liegt nicht mit der Brust auf dem Boden, wird über dem Boden gehalten
Vorderbeine werden parallel gehalten,
Ellenbogen können auf dem Boden liegen, Pfoten zeigen nach vorn
SCHWANZ
steil aufgerichtet (wenn möglich)
zeigt in Richtung des Gegenübers
starr
Situationen, die den Preybow auslösen können:
alles, hinter dem du die (3) findest
ein kleiner Hund, der kurze, abrupte Bewegungen macht,
ein ängstlicher, vorsichtiger Hund,
ein Hund, mit dem es schon öfter Konflikte gab,
eine Katze
und andere Tiere, die der Hund beobachten kann und welche in sein Beuteschema passen.
Und oft ist es eine erlernte Strategie, um unerwünschten Kontakt zu Artgenossen zu vermeiden.
Video zum Thema
Fazit:
Wenn ein Hund die Vorderkörpertiefhaltung zeigt, ist es keinesfalls immer eine Spielaufforderung.



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